Pflegegrad 03 Voraussetzungen und Leistungen

Eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ wird Menschen attestiert, die den Pflegegrad 3 erlangen. Dementsprechend hoch sind die Ansprüche auf Leistungen aus der Pflegekasse. Wir fassen diese für Sie zusammen und informieren über Voraussetzungen.

Ab dem 1. November 2016 wird der Pflegebedarf mit Hilfe des Prüfverfahrens NBA errechnet. (für mehr Informationen zum NBA hier klicken). Für einen erhöhten Hilfebedarf werden entsprechend Punkte verteilt. Um den Pflegegrad 3 zu erhalten muss der MDK mindestens auf einen Wert von 47,5 kommen.

Ist die Selbstständigkeit eines Pflegebedürftigen schwer beeinträchtigt – besteht also ein hoher Pflegeaufwand – wird dieser dem Pflegegrad 3 zugeordnet. Die Selbstständigkeit wird durch Aufteilung in verschiedene Bereiche (körperlich, geistig, psychisch) eingeschätzt und nach Richtlinien des NBA unterschiedlich gewichtet. Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 2 und demenzkranke Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 1 erhalten den Pflegegrad 3 ohne eine erneute Begutachtung durch den MDK.


Hinweis: Haben Sie bereits eine Pflegestufe, müssen Sie nicht fürchten, durch die Pflegegrade schlechter gestellt zu werden. Die Pflegegrade werden Ihnen zwar automatisch zugewiesen. Sie haben jedoch die gesetzliche Garantie, dass Sie dadurch nicht weniger Leistungen erhalten.

Die Leistungen aus der Pflegekasse sollen Ihnen einen Nachteilsausgleich bieten und Ihre Pflege sicherstellen. Je nach Pflegegrad fallen die finanziellen Leistungen und Sachleistungen unterschiedlich aus. In der nachfolgenden Tabelle haben Sie einen kurzen Überblick.
Pflegegeld oder Sachleistungen Betreuungs- und Entlastungs-
leistungen
Kurzzeitpflege Verhinderungs-
pflege
Tages- und Nachtpflege Vollstationäre Pflege
545 €
Pflegegeld und Pflegesachleist­ungen für 1.289 € monatlich)
125 € maximal 1.612 € im Jahr maximal 1.612 € im Jahr Teilstationäre Pflegeleistung (monatlich 1.289 €) monatlich 1.262 €

Erläuterung: Das Pflegegeld steht Ihnen zu, wenn Sie von einem Angehörigen im Haushalt gepflegt werden. Professionelle Pflege durch einen Pflegedienst wird durch die Pflegesachleistungen finanziert. Bei einer Kombination aus häuslicher Pflege und Pflegedienst, wird das Pflegegeld entsprechend reduziert.


Die Tages- und Nachtpflege wird mit der Neuerung jedoch nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet.

Übrigens: Der Eigenanteil für die vollstationäre Pflege eines Pflegebedürftigen ist ab 2017 nicht mehr an den Pflegegrad gekoppelt. Das bedeutet, jeder Pflegeheimbewohner zahlt den gleichen Anteil. Für 2017 beläuft sich dieser voraussichtlich durchschnittlich auf 580 €.
Manchmal kann es nötig sein, vorübergehend stationäre Pflege in Anspruch zu nehmen – zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt. Diese wird dann als Kurzzeitpflege bezeichnet. Unter Verhinderungspflege versteht der Gesetzgeber Urlaub oder Krankheit des pflegenden Angehörigen. Die Pflege muss dann ggf. von einem Dienstleister (Pflegedienst) übernommen werden. Zusätzlich gelten für Sie die folgenden Regelungen:
  • Der Anspruch auf Verhinderungspflege umfasst 28 Tage jährlich. Nehmen Sie während des laufenden Jahres keine Kurzzeitpflege in Anspruch, stehen Ihnen sogar 6 Wochen zu. Finanziell entspricht das einem Betrag von bis zu 3.224 €. Ihre Summe erhalten Sie, wenn Sie Ihren Anspruch auf Kurzzeit- und Verhinderungspflege addieren.
  • Sie haben einen erhöhten Anspruch auf Kurzzeitpflege, wenn Sie keine Verhinderungspflege wahrnehmen. Die Zeit für die Kurzzeitpflege erhöht sich dann auf maximal 8 Wochen. Auch hier werden dann die Sachleistungen von Kurzzeit- und Verhinderungspflege miteinander addiert. Es besteht ein Anspruch von bis zu 3.224 €.

  • Das Pflegegeld wird während der Kurzzeitpflege halbiert und noch für acht Wochen weitergezahlt, wenn Sie Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch nehmen.

  • Während der Verhinderungspflege wird Ihnen Ihr Pflegegeld noch für sechs Wochen zur Hälfte weitergezahlt.

Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz gesteht der Gesetzgeber Pflegebedürftigen
auch weitere Leistungen grundsätzlich zu. Wir geben einen Überblick:

Finanzieller Zuschuss zu Wohnraumanpassungen: Dies trifft beispielsweise zu, wenn Sie
Ihre Wohnung barrierefrei machen wollen, weil Sie einen Rollstuhl oder Rollator nutzen.
Bis zu 4.000 € stehen Ihnen aus der Pflegekasse für einen solchen Umbau zu.
Ein Hausnotrufsystem: Ein Hausnotrufsystem sorgt dafür, dass Sie bei einem Unfall wie
beispielsweise einem Sturz schnell Hilfe bekommen. Mit Pflegegrad 1 haben Sie einen
Anspruch auf einen finanziellen Zuschuss von monatlich 18,36 € sowie einer einmaligen
Leistung für die Einrichtung von 10,49 €.
Medizinische Hilfsmittel: Rollstühle, Badehilfen und Einlagen für Ihre Schuhe sind drei
Beispiele für medizinische Hilfsmittel. Mit Pflegegrad 1 haben Sie auf diese je nach
Bedarf einen Anspruch.
Beratungsbesuche und Fortbildungen: Damit jederzeit eine fachgerechte Pflege
gesichert ist, sind die Pflegekassen gesetzlich dazu verpflichtet, Beratungsgespräche
und Fortbildungen zu zahlen.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: Sie haben mit dem Pflegegrad 1 Anspruch
auf Pflegehilfsmittel wie Handschuhe, Bettschutzeinlagen und Desinfektionsmittel.
Tipp: Beantragen Sie hierfür das Pflege-Paket.
Wenn eine Pflegeperson durch die Pflege eines Angehörigen maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten kann, übernimmt die Pflegekasse die Beiträge zur Rentenkasse.