Pflegegrad 04 Voraussetzungen und Leistungen

Bei Pflegegrad 4 spricht der MDK bereits von einer „schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Betroffene können sich in fast keinem Bereich mehr selbstständig versorgen. Der hohe Pflegeaufwand spiegelt sich auch in den Leistungen wieder.

Das neue Prüfverfahren NBA, die Grundlage der Pflegegrade, wird bereits ab November 2016 angewandt. Mehr zu diesem Verfahren lesen Sie hier. Tipp: Nutzen Sie das neue Verfahren für eine Höherstufung der Pflegestufe eines Angehörigen, wenn dieser zum Beispiel kognitiv stark eingeschränkt ist. Dies wird zukünftig mehr berücksichtigt. Für Pflegegrad 4 muss beim NBA eine Punktzahl von mindestens 70 erreicht werden.

Das neue Verfahren zur Prüfung der Pflegebedürftigkeit stellt die Selbstständigkeit eines Menschen in den Focus. Diese wird durch Unterteilung auf unterschiedliche Säulen gemessen (zum Beispiel körperlich, geistig und psychisch) und differenziert ausgewertet. Hat Ihr Angehöriger bereits eine Pflegestufe, bekommt er mit Pflegestufe 3, oder mit Pflegestufe 2 und Demenz automatisch den Pflegegrad 4.


Hinweis: Eine erneute Begutachtung ist für Menschen, die bereits eine Pflegestufe haben, ist nicht notwendig – es sei denn, der Pflegeaufwand hat sich erheblich verändert. Ansonsten werden die Pflegestufen jeweils um einen Pflegegrad erhöht. (Zwei Pflegegrade bei Demenz). Die Pflegeleistungen bleiben dabei mindestens die gleichen.

Die Pflege von Angehörigen ist vielen eine Herzensangelegenheit. Dabei ist sie nicht nur sehr zeitintensiv, sondern leider allzu oft auch mit hohen Kosten verbunden. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen, welche Ansprüche Sie mit Pflegegrad 4 an die Pflegekasse eines Pflegebedürftigen haben.
Pflegegeld oder Sachleistungen Betreuungs- und Entlastungs-
leistungen
Kurzzeitpflege Verhinderungs-
pflege
Tages- und Nachtpflege Vollstationäre Pflege
728 €
Pflegegeld und Pflegesachleist­ungen für 1.612 € monatlich)
125 € maximal 1.612 € im Jahr maximal 1.612 € im Jahr Teilstationäre Pflegeleistung (monatlich 1.612 €) monatlich 1.775 €

Erläuterung: Werden Sie von einem Angehörigen im Haushalt gepflegt? Dann steht Ihnen Pflegegeld zu. Die Pflegesachleistungen können von einem Pflegedienst in Anspruch genommen und direkt mit diesem abgerechnet werden. Werden Sie nur teilweise durch einen Angehörigen gepflegt und nehmen sonst einen Pflegedienst in Anspruch, wird das Pflegegeld entsprechend gekürzt.


Die Tages- und Nachtpflege bezahlt zum Beispiel die Unterbringung in einer Tagesbetreuung oder entlastet den pflegenden Angehörigen nachts. Die Leistungen können ohne Abzüge vom Pflegegeld in Anspruch genommen werden.

Übrigens: Der Eigenanteil für vollstationäre Pflege ist zukünftig für alle Heimbewohner gleich. Für das Jahr 2017 wird dieser auf etwa 580 € monatlich geschätzt.
Kennen Sie den Unterschied zwischen Kurzzeit und Verhinderungspflege? Kurzzeitpflege meint eine vorrübergehende, stationäre Unterbringung, wenn sich die Pflegesituation für einen absehbaren Zeitraum verändert hat – zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt. Verhinderungspflege bezeichnet eine Vertretungsleistung, wenn der pflegende Angehörige krank oder im Urlaub ist. Diese Differenzierung ist wichtig für Sie, damit Sie die folgenden Regelungen nutzen können.
  • 28 Tage jährlich können Sie Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Verzichten Sie im gleichen Jahr auf Kurzzeitpflege, erhöht sich Ihr Anspruch auf 6 Wochen. Hierzu erhalten Sie Sachleistungen im Wert von bis zu 3.224 €. Mit diesem Geld können Sie beispielsweise einen ambulanten Pflegedienst beauftragen.
  • Nehmen Sie keine Verhinderungspflege wahr, erhöht sich Ihr Anspruch auf Kurzzeitpflege. Dieser beträgt dann 8 Wochen. Auch hier haben Sie dann für das Jahr bis zu 3.224 € für die Kurzzeitpflege zur Verfügung.

  • Das Pflegegeld wird zu 50% weitergezahlt, wenn Sie bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen.

  • Das Pflegegeld wird bis zu 50% weiter gezahlt, wenn Sie bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege in Anspruch nehmen.

Je nach Bedarf haben Sie mit einem Pflegegrad einen grundsätzlichen Anspruch
auf weitere Leistungen. Diese beinhalten:

Finanzieller Zuschuss zu Wohnraumanpassungen: Dies trifft beispielsweise zu, wenn Sie
Ihre Wohnung barrierefrei machen wollen, weil Sie einen Rollstuhl oder Rollator nutzen.
Bis zu 4.000 € stehen Ihnen aus der Pflegekasse für einen solchen Umbau zu.
Ein Hausnotrufsystem: Ein Hausnotrufsystem sorgt dafür, dass Sie bei einem Unfall wie
beispielsweise einem Sturz schnell Hilfe bekommen. Mit Pflegegrad 1 haben Sie einen
Anspruch auf einen finanziellen Zuschuss von monatlich 18,36 € sowie einer einmaligen
Leistung für die Einrichtung von 10,49 €.
Medizinische Hilfsmittel: Rollstühle, Badehilfen und Einlagen für Ihre Schuhe sind drei
Beispiele für medizinische Hilfsmittel. Mit Pflegegrad 1 haben Sie auf diese je nach
Bedarf einen Anspruch.
Beratungsbesuche und Fortbildungen: Damit jederzeit eine fachgerechte Pflege
gesichert ist, sind die Pflegekassen gesetzlich dazu verpflichtet, Beratungsgespräche
und Fortbildungen zu zahlen.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: Sie haben mit dem Pflegegrad 1 Anspruch
auf Pflegehilfsmittel wie Handschuhe, Bettschutzeinlagen und Desinfektionsmittel.
Tipp: Beantragen Sie hierfür das Pflege-Paket.
Ausgleich für Pflegepersonen, die aufgrund ihrer Funktion als pflegender Angehöriger
nur bis zu 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig sein können. Bei ihnen zahlt die
Pflegekasse die Beiträge zur Krankenversicherung.